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Schul-Zeit-Blues

Im Nachhinein wird die Schulzeit oft zu der “schönsten, sorglosesten Zeit meines Lebens” verklärt. Dabei dauert es Jahre, bis man zu einem neuen, möglicherweise realistischerem Blickwinkel, findet.

Nach 20 Jahren besucht Henning Sussebach wieder seine ehemalige Schule, das Albert-Einstein-Gymnasium in Bochum, das nach nur 40 Jahren abgerissen wird. Seine Eindrücke und Gedanken fasst er in einem Dossier in der Zeit-Ausgabe vom 22.12.2010 zusammen.
Auf einem alten Schulfoto kann er zu den meisten Gesichtern seiner Mitschüler nicht einmal mehr die Namen zuordnen, die Gesichter seiner ehemaligen Lehrer aber lösen vielfältige Erinnerungen an die damaligen Eindrücke aus – an die vermeintlichen Charakterzüge seiner Lehrer: “mehr Marke als Mensch”.

“In einigen Gesichtern meiner Lehrer entdecke ich eine Verletzlichkeit und Scheu, die ich als Schüler niemals wahrgenommen habe.”

Für Sussebach war die Schule nur Durchgangsstation, wie generell für die meisten Schüler; für die Lehrer aber war es ein Ort, an dem sie blieben, bleiben mussten. Er macht sich auf die Suche, möchte erfahren, ob und wie das Verschwinden dieses Ortes die “Ehemaligen” berührt und inwieweit seine eigenen damaligen Vorstellungen mit den Lebenslinien seiner Lehrer – die ihm damals das Leben erklärten – heute in Einklang zu bringen sind.
Da ist der Lateinlehrer, Herr K., “so etwas wie der Schulbeauftragte für Sekundärtugenden” . Seinetwegen haben Kinder die Schule verlassen, und heute? Jemand, der 40 Jahre lang den Epikureern folgend im Verborgenen, hinter einer Rüstung verschanzt, lebte – unbemerkt von seinen Schülern, wie Sussebach jetzt erkennen muss. Oder Herr Z., der Deutschlehrer, den man heute wohl dem “linksalternativen” Milieu zuordnen würde und der für Sussebach mit “seiner Prinzipientreue zum Urmeter meiner moralischen Maßstäbe” wurde. Nicht umsonst heißt es ja “Für das Leben lernen wir”. Frau L. – Sport und Kunst – war mit 28 Jahren die jüngste Lehrerin. Sie gibt zu, daß sie lernen musste, ihre Ansprüche zurückzuschrauben. Sie erzählt von Selbstzweifeln, von den ehemaligen Kollegen, dem gemeinsamen Altern und wie einige brachen, wunderlich wurden, über die Alkoholprobleme von anderen.

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