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Warum ich glücklich bin

Zitat »Die Zeit«: “Der sicherste Weg zum Glück, sagen Psychologen, ist ein gutes, realitätsnahes Erwartungsmanagement.” Die Erwartungen an das Bündnis von CDU, FDP und CSU sind mittlerweile so winzig, dass die Koalition nur noch positiv überraschen kann. Die Berliner Koalition macht nur noch Politik für ihre Klientel. Vorbildlich ist das nicht.

Es geht verstärkt auf das Jahr 2013 zu – man merkt es an den kleinen, niedlichen Geschenken, die unsere Regierung ihrer Wahl-Klientel andient. Sei es der bajovarische Ansatz von Geldgeschenken statt Betreuung oder die Diskussion über eine PKW-Maut, die der FDP wieder Gelegenheit gibt, Steuersenkungen zu fordern, etc. – was für die Klientel eines Koalitionspartners unverzichtbar ist, wird gemacht. Angela Merkel ist ja in letzter Zeit vermehrt daran gemessen worden, was sie sagt und dann letztendlich macht (Nicht, solange ich lebe!), also warum soll die “Sparkanzlerin” nicht über Wahlgeschenke nachdenken. Angela Merkel lässt lieber das Ausland sparen.

Elisabeth Niejahr hat in ihrer Analyse “Teure Wohltaten” in »Die Zeit« vom 31. Mai 2012 sich so ihre Gedanken darüber gemacht – aber wirklich Neues wird nicht gesagt, die Vorgehensweise ist bekannt und meistens auch (leider) altbewährt. Was also soll uns da noch glücklich machen, zumal die Geldpflaster viel zu klein sind, um die Wunden der von der Politik mitverschuldeten Finanzkrise abzudecken und die Geldgeschenke in der Regel nach der Wahl durch gesteigerte Kreativität der Gewählten “aufgrund der Haushaltslage, die dies nicht zulässt” durch Überkompensierung wieder zurückfliessen werden?

Und was hat das mit mir zu tun, warum soll dieses Gebaren mich insbesondere, der nirgendwo ansatzweise zur bevorzugten Klientel von SchwarzGelb gehört, glücklich machen ? Nichts – der wahre Grund dafür liegt in der “realitätsnahen Erwartungshaltung” und der Fortsetzung des Psychologen-Zitats vom Anfang dieses Beitrags oben:
Alt Runzlig_screenshot “… Deswegen sind beispielsweise 90-jährige, die sich kaum noch aus ihrer Wohnung bewegen können, oft zufriedener als 20-jährige: Sie können schon ein paar auf dem Balkon genossene Frühlingssonnenstrahlen als Geschenk begreifen. Deshalb erleben die meisten Menschen, Untersuchungen zufolge, ihre glücklichsten Lebensjahre nach dem 46. Geburtstag – in dieser Lebensphase lernen Menschen zu schätzen, was sie haben, statt dem hinterherzurennen, was sie sich wünschen.”

Danke Frau Niejahr, jetzt habe ich es wenigstens schwarz auf weiss, warum ich “so glücklich” bin – die Analyse über die (Parteien-)Politik im Allgemeinen und die schwarzgelbe Bundesregierung im Besonderen bestärkt mich nur in meinen Erkenntnissen und tangiert mein Glück nur noch peripher.

Missverständnisse + falsche Wortwahl

Es zeigt sich wieder einmal deutlich – die richtige Wortwahl macht manchmal nur einen kleinen Unterschied aus, kann aber einen ganz anderen Blick auf Fakten und Geschehnisse eröffnen.

Das Wort “Politikverdrossenheit” ist mittlerweile zu einem festen Begriff in unserer Gesellschaft geworden, und das nicht erst seit der schlechten Performance von Schwarz-Gelb. Ab und zu hört man aber auch auch Stimmen, die von einer “Politiker-Verdrossenheit” sprechen, was den Kern der Probleme eigentlich besser trifft. Wenn man diesen Ansatz weiterdenkt, fallen einem sofort weitere Wortkombinationen ein, die einen kleinen, aber feinen Ackermann © dpaUnterschied ausmachen: Beispiel Finanz- bzw. Bankenkrise – die Bank ist doch nur eine Institution, Verursacher der Krise aber waren doch in erster Linie die Verantwortlichen an der Spitze dieser Institution, die “Bänker”. Ein weiteres Beispiel ist der Zustand unseres öffentlich-rechtlichen Fernsehens (sh. auch ›› Sex + Crime); es ist aber nicht das Fernsehen, es sind vor allem die “Macher”, die Menschen in den Sendeanstalten und in der Politik hinter dem Programm. Diese Auflistung könnte man wahrscheinlich unbegrenzt fortführen – die Quintessenz dahinter wird aber immer lauten: es geht um die Macher, meist im negativen, aber natürlich auch im positiven Sinne. Dies führt aber auch zu einem irritierenden Phänomen, das nur schwer aufzulösen ist.

Ein gutes Beispiel dafür in diesen Tagen ist die Plagiats-Affäre um zu Guttenberg. Unser Verteidigungsminister steht seit Monaten unangefochten ganz vorn in der Beliebtheitsskala unserer Politiker. Nicht, dass er im Vergleich zu den anderen Politikern eine herausragende Politik gemacht hätte, im Gegenteil, die internen Probleme in seinem Verantwortungsbereich haben sich in letzter Zeit gehäuft, jedoch ohne dass dies seinen Beliebtheitswert in der Bevölkerung gravierend geschadet hätte. Und genau hier zeigt sich das Phänomen, der Unterschied zwischen Politik- und Politikerverdrossenheit; der Politiker wird nicht als solcher wahrgenommen, sondern meistens nur als Person. Nicht erst seit unserem “Medien”-Kanzler Schröder steht die Person, und nicht seine Politik im Vordergrund – solange sich die Person nur vorteilhaft in den Medien positioniert, ist alles in Ordnung – auch, weil der Boulevard hier nur zu gerne mitspielt. Jetzt aber haben die Medien ein Thema gefunden, das noch mehr Aufmerksamkeit verspricht – die Plagiatsvorwürfe gegen zu Guttenberg. Die Bugwelle, die dieses Thema nun in den klassischen Medien, aber auch in den Neuen Medien, im Internet auslöst, ist gigantisch und begräbt alles andere unter sich, also auch die politischen Affären – wer spricht denn jetzt noch von Gorch Fock, Kundus etc. – veraltet, weil nicht mehr interessant in der Öffentlichkeit. Die Person, deren Bild man in der Öffentlichkeit mit viel Wohlwollen mit aufgebaut hat, wird nun mit genauso viel Hype an den Pranger gestellt.

Und dies ist das irritierende an diesem Phänomen, das Dilemma: Wenn irgendwo ein Mißstand publik wird, müsste man eigentlich bei den Verantwortlichen ansetzen, um das Übel sozusagen an der Wurzel zu packen. Andererseits sollte man sich davor hüten, z. B. Politik nur aufgrund des Verhaltens einzelner Personen zu beurteilen oder gar die eigene Wahlentscheidung an der Person aufgrund persönlicher Sympathie / Antipathie festzumachen, unabhängig von der Partei und des politischen Programms, das dahintersteht. Und dies trifft weitestgehend auf sämtliche gesellschaftlichen Ereignisse zu. Es sind Personen oder Personenvereinigungen, die die Verantwortung tragen: in das öffentliche Bewusstsein dringt aber nur das Ereignis als solches ein, ein Faktum – wenn sich aber Personen dahinter dennoch in den Vordergrund drängen, dann aufgrund ihres persönlichen Auftretens, meist losgelöst von dem Ereignis, das sie initiiert und zu verantworten haben.

Somit wird dieses Phänomen irgendwie nicht greifbar, es bleibt in der Wortwahl bei der Politikverdrossenheit, der Verantwortung im Dunst der Verallgemeinerung, was es ermöglicht, dass Verantwortliche eben nicht zur Verantwortung gezogen werden, so weitermachen können wie bisher. Andererseits wird der Öffentlichkeit trotzdem das Gefühl gegeben, dabei zu sein, gehört zu werden und mitmachen zu können – sei es auch nur, indem diese ein “Zeichen setzen” kann, wenn auch nur auf einem Nebenschauplatz, der geschickt in das Zentrum gestellt wird – und solange die Medien dabei gerne weiterhin mitspielen, wird sich daran auch nichts ändern.