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Missverständnisse + falsche Wortwahl

Es zeigt sich wieder einmal deutlich – die richtige Wortwahl macht manchmal nur einen kleinen Unterschied aus, kann aber einen ganz anderen Blick auf Fakten und Geschehnisse eröffnen.

Das Wort “Politikverdrossenheit” ist mittlerweile zu einem festen Begriff in unserer Gesellschaft geworden, und das nicht erst seit der schlechten Performance von Schwarz-Gelb. Ab und zu hört man aber auch auch Stimmen, die von einer “Politiker-Verdrossenheit” sprechen, was den Kern der Probleme eigentlich besser trifft. Wenn man diesen Ansatz weiterdenkt, fallen einem sofort weitere Wortkombinationen ein, die einen kleinen, aber feinen Ackermann © dpaUnterschied ausmachen: Beispiel Finanz- bzw. Bankenkrise – die Bank ist doch nur eine Institution, Verursacher der Krise aber waren doch in erster Linie die Verantwortlichen an der Spitze dieser Institution, die “Bänker”. Ein weiteres Beispiel ist der Zustand unseres öffentlich-rechtlichen Fernsehens (sh. auch ›› Sex + Crime); es ist aber nicht das Fernsehen, es sind vor allem die “Macher”, die Menschen in den Sendeanstalten und in der Politik hinter dem Programm. Diese Auflistung könnte man wahrscheinlich unbegrenzt fortführen – die Quintessenz dahinter wird aber immer lauten: es geht um die Macher, meist im negativen, aber natürlich auch im positiven Sinne. Dies führt aber auch zu einem irritierenden Phänomen, das nur schwer aufzulösen ist.

Ein gutes Beispiel dafür in diesen Tagen ist die Plagiats-Affäre um zu Guttenberg. Unser Verteidigungsminister steht seit Monaten unangefochten ganz vorn in der Beliebtheitsskala unserer Politiker. Nicht, dass er im Vergleich zu den anderen Politikern eine herausragende Politik gemacht hätte, im Gegenteil, die internen Probleme in seinem Verantwortungsbereich haben sich in letzter Zeit gehäuft, jedoch ohne dass dies seinen Beliebtheitswert in der Bevölkerung gravierend geschadet hätte. Und genau hier zeigt sich das Phänomen, der Unterschied zwischen Politik- und Politikerverdrossenheit; der Politiker wird nicht als solcher wahrgenommen, sondern meistens nur als Person. Nicht erst seit unserem “Medien”-Kanzler Schröder steht die Person, und nicht seine Politik im Vordergrund – solange sich die Person nur vorteilhaft in den Medien positioniert, ist alles in Ordnung – auch, weil der Boulevard hier nur zu gerne mitspielt. Jetzt aber haben die Medien ein Thema gefunden, das noch mehr Aufmerksamkeit verspricht – die Plagiatsvorwürfe gegen zu Guttenberg. Die Bugwelle, die dieses Thema nun in den klassischen Medien, aber auch in den Neuen Medien, im Internet auslöst, ist gigantisch und begräbt alles andere unter sich, also auch die politischen Affären – wer spricht denn jetzt noch von Gorch Fock, Kundus etc. – veraltet, weil nicht mehr interessant in der Öffentlichkeit. Die Person, deren Bild man in der Öffentlichkeit mit viel Wohlwollen mit aufgebaut hat, wird nun mit genauso viel Hype an den Pranger gestellt.

Und dies ist das irritierende an diesem Phänomen, das Dilemma: Wenn irgendwo ein Mißstand publik wird, müsste man eigentlich bei den Verantwortlichen ansetzen, um das Übel sozusagen an der Wurzel zu packen. Andererseits sollte man sich davor hüten, z. B. Politik nur aufgrund des Verhaltens einzelner Personen zu beurteilen oder gar die eigene Wahlentscheidung an der Person aufgrund persönlicher Sympathie / Antipathie festzumachen, unabhängig von der Partei und des politischen Programms, das dahintersteht. Und dies trifft weitestgehend auf sämtliche gesellschaftlichen Ereignisse zu. Es sind Personen oder Personenvereinigungen, die die Verantwortung tragen: in das öffentliche Bewusstsein dringt aber nur das Ereignis als solches ein, ein Faktum – wenn sich aber Personen dahinter dennoch in den Vordergrund drängen, dann aufgrund ihres persönlichen Auftretens, meist losgelöst von dem Ereignis, das sie initiiert und zu verantworten haben.

Somit wird dieses Phänomen irgendwie nicht greifbar, es bleibt in der Wortwahl bei der Politikverdrossenheit, der Verantwortung im Dunst der Verallgemeinerung, was es ermöglicht, dass Verantwortliche eben nicht zur Verantwortung gezogen werden, so weitermachen können wie bisher. Andererseits wird der Öffentlichkeit trotzdem das Gefühl gegeben, dabei zu sein, gehört zu werden und mitmachen zu können – sei es auch nur, indem diese ein “Zeichen setzen” kann, wenn auch nur auf einem Nebenschauplatz, der geschickt in das Zentrum gestellt wird – und solange die Medien dabei gerne weiterhin mitspielen, wird sich daran auch nichts ändern.

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Sex + Crime

Laut Statistik hat der Fernseh-Konsum letztes Jahr wieder stark zugelegt – besonders im Osten der Republik. Ist das Programm soviel besser geworden oder was ist es, das die Bundesbürger dazu treibt, im Durchschnitt ~220 Minuten täglich vor dem Fernseher zu verbringen?

Das Leben in bewegten Bildern, aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Eine Besonderheit, auch in unserer Republik – neben den Privatsendern gibt es das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das per Staatsvertrag (RStV) den Bildungsauftrag hat, das “Leben” seinen Zuschauern nahezubringen.

“Als Bildungsauftrag wird die Aufgabe staatlicher Institutionen bezeichnet, für die Allgemeinheit geeignete Bildungsangebote zu erarbeiten und bereitzustellen. Er gilt prinzipiell für alle geförderten Bildungseinrichtungen, meist ist aber der Auftrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gemeint – insbesondere in den Bereichen Kunst, Kultur und politische Bildung.
Zu den Bildungsaufgaben zählt neben der Wissens- und Kulturvermittlung auch das Verständnis für soziale, kulturelle und geschichtliche Zusammenhänge, die religiöse und politische Bildung. Heute sind auch Bereiche der Wertevermittlung wichtig, etwa die Förderung von Toleranz, Aufgeschlossenheit, Ehrfurcht vor Mitmensch und Natur.

Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bzw. das Fernsehen ergibt sich der Bildungsauftrag bereits aus der Möglichkeit oder Pflicht, Rundfunkgebühren einzuheben.” (aus Wikipedia)

Somit wäre es verständlich, wenn immer mehr Menschen dieses Bildungsangebot annehmen – man will ja schließlich teilnehmen am „Leben“ und wissen, was in unserer Gesellschaft so passiert. Aber wird das Angebot dem Bildungsauftrag auch gerecht, ist dies das Leben – das wahre Leben? Schauen wir uns nur als Beispiel einmal zwei Sendungen aus dem umfassenden Angebot an:  ARD und ZDF zeigen immer wochentags jeweils 17:15 in einem Magazin die bunten Facetten des Tages. Das eine heißt ››Brisant‹‹, das andere ››Hallo Deutschland‹‹.

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