Schlagwort-Archiv: bildung

Sex + Crime

Laut Statistik hat der Fernseh-Konsum letztes Jahr wieder stark zugelegt – besonders im Osten der Republik. Ist das Programm soviel besser geworden oder was ist es, das die Bundesbürger dazu treibt, im Durchschnitt ~220 Minuten täglich vor dem Fernseher zu verbringen?

Das Leben in bewegten Bildern, aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Eine Besonderheit, auch in unserer Republik – neben den Privatsendern gibt es das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das per Staatsvertrag (RStV) den Bildungsauftrag hat, das “Leben” seinen Zuschauern nahezubringen.

“Als Bildungsauftrag wird die Aufgabe staatlicher Institutionen bezeichnet, für die Allgemeinheit geeignete Bildungsangebote zu erarbeiten und bereitzustellen. Er gilt prinzipiell für alle geförderten Bildungseinrichtungen, meist ist aber der Auftrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gemeint – insbesondere in den Bereichen Kunst, Kultur und politische Bildung.
Zu den Bildungsaufgaben zählt neben der Wissens- und Kulturvermittlung auch das Verständnis für soziale, kulturelle und geschichtliche Zusammenhänge, die religiöse und politische Bildung. Heute sind auch Bereiche der Wertevermittlung wichtig, etwa die Förderung von Toleranz, Aufgeschlossenheit, Ehrfurcht vor Mitmensch und Natur.

Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bzw. das Fernsehen ergibt sich der Bildungsauftrag bereits aus der Möglichkeit oder Pflicht, Rundfunkgebühren einzuheben.” (aus Wikipedia)

Somit wäre es verständlich, wenn immer mehr Menschen dieses Bildungsangebot annehmen – man will ja schließlich teilnehmen am „Leben“ und wissen, was in unserer Gesellschaft so passiert. Aber wird das Angebot dem Bildungsauftrag auch gerecht, ist dies das Leben – das wahre Leben? Schauen wir uns nur als Beispiel einmal zwei Sendungen aus dem umfassenden Angebot an:  ARD und ZDF zeigen immer wochentags jeweils 17:15 in einem Magazin die bunten Facetten des Tages. Das eine heißt ››Brisant‹‹, das andere ››Hallo Deutschland‹‹.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Schul-Zeit-Blues

Im Nachhinein wird die Schulzeit oft zu der “schönsten, sorglosesten Zeit meines Lebens” verklärt. Dabei dauert es Jahre, bis man zu einem neuen, möglicherweise realistischerem Blickwinkel, findet.

Nach 20 Jahren besucht Henning Sussebach wieder seine ehemalige Schule, das Albert-Einstein-Gymnasium in Bochum, das nach nur 40 Jahren abgerissen wird. Seine Eindrücke und Gedanken fasst er in einem Dossier in der Zeit-Ausgabe vom 22.12.2010 zusammen.
Auf einem alten Schulfoto kann er zu den meisten Gesichtern seiner Mitschüler nicht einmal mehr die Namen zuordnen, die Gesichter seiner ehemaligen Lehrer aber lösen vielfältige Erinnerungen an die damaligen Eindrücke aus – an die vermeintlichen Charakterzüge seiner Lehrer: “mehr Marke als Mensch”.

“In einigen Gesichtern meiner Lehrer entdecke ich eine Verletzlichkeit und Scheu, die ich als Schüler niemals wahrgenommen habe.”

Für Sussebach war die Schule nur Durchgangsstation, wie generell für die meisten Schüler; für die Lehrer aber war es ein Ort, an dem sie blieben, bleiben mussten. Er macht sich auf die Suche, möchte erfahren, ob und wie das Verschwinden dieses Ortes die “Ehemaligen” berührt und inwieweit seine eigenen damaligen Vorstellungen mit den Lebenslinien seiner Lehrer – die ihm damals das Leben erklärten – heute in Einklang zu bringen sind.
Da ist der Lateinlehrer, Herr K., “so etwas wie der Schulbeauftragte für Sekundärtugenden” . Seinetwegen haben Kinder die Schule verlassen, und heute? Jemand, der 40 Jahre lang den Epikureern folgend im Verborgenen, hinter einer Rüstung verschanzt, lebte – unbemerkt von seinen Schülern, wie Sussebach jetzt erkennen muss. Oder Herr Z., der Deutschlehrer, den man heute wohl dem “linksalternativen” Milieu zuordnen würde und der für Sussebach mit “seiner Prinzipientreue zum Urmeter meiner moralischen Maßstäbe” wurde. Nicht umsonst heißt es ja “Für das Leben lernen wir”. Frau L. – Sport und Kunst – war mit 28 Jahren die jüngste Lehrerin. Sie gibt zu, daß sie lernen musste, ihre Ansprüche zurückzuschrauben. Sie erzählt von Selbstzweifeln, von den ehemaligen Kollegen, dem gemeinsamen Altern und wie einige brachen, wunderlich wurden, über die Alkoholprobleme von anderen.

Mehr von diesem Beitrag lesen