Buchempfehlung: Max Frisch

“Entwürfe zu einem dritten Tagebuch”, Suhrkamp 2010, ISBN 978-3-518-42130-7

Einem Zufall ist es zu verdanken, dass diese Notizen aus den Jahren 1982/83 veröffentlicht wurden: Der Stiftungsrat des Max-Frisch-Archivs hat eine Kopie dieser Aufzeichnungen von der ehemaligen Sekretärin Frisch’s erhalten und publiziert, obwohl Frisch sein Handexemplar und alle Spuren und Vorarbeiten vernichtet hat, also dieses Tagebuchfragment mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zur Veröffentlichung autorisiert hätte.
Dies wäre allerdings ein Verlust gewesen, denn es “ist durchaus lustvoll, wie der alternde Autor sich zusieht beim Hinüberdämmern in einen anderen Zustand schöner Kraftlosigkeit”, wie Die Zeit schreibt. Frisch bleibt auch hier seinem Anspruch treu; das Tagebuch als Komposition, als literarische Kunstform, in dem jeder Eintrag in Beziehung zu den anderen Einträgen steht – wie bereits in den Tagebüchern für den Zeitraum 1946 – 1971. Etwas jedoch ist anders – die Einträge sind persönlicher, geben einen tieferen Einblick in das “Seelenleben” eines 71-jährigen, der müde ist, zunehmend gleichgültig den Dingen gegenüber, aber gerade in dieser Müdigkeit den Weg zur Freiheit und Gelassenheit findet. Das ist es, was dieses Fragment so lesenswert macht, “das Zugrifflose, das Zarte und Herbstmilde dieser Texte”.

weiterführender Link Die Zeit #15 – 08.04.2010

Leben als Oase –
der Tod als die Wüste ringsum –
Woher will ich das wissen? –
© Max-Frisch-Archiv, Suhrkamp

imageSchade, dass es dem Verlag nicht gelungen ist, das Buch entsprechend zu präsentieren. Insgesamt ist das Buch irgendwie lieblos gestaltet; ärgerlich ist, dass jedem Eintrag eine eigene Seite gewidmet ist, sodass teilweise nur zwei Zeilen auf einer Seite zu lesen sind. Eine Möglichkeit wäre gewesen, die jeweilige Anmerkung im Anhang direkt bei der Tagebuchnotiz zu zeigen; ebenso gehört das Nachwort nach vorne, als Vorwort! Aber sei es drum – die Gestaltung sei nur am Rande erwähnt – wer Max Frisch mag und mehr über sein Innenleben und seine persönlichen Gedankengänge erfahren möchte, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

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