Social Media wird erwachsen

Seien wir doch mal ehrlich – es ist noch gar nicht solange her, da wurden die Blogger, Twitterer  und Facebooker etc. nur milde belächelt und als nette, aber wenig nützliche Randerscheinung betrachtet.
Inzwischen hat sich diese Fehleinschätzung als fataler Irrtum erwiesen; wenn man heute nach dem Begriff Social Media “googelt”, erhält man ca. 558.000.000 Einträge, Tendenz steigend – es hat sich also viel getan!

socialmedia1defaultSocial Media wird nun auch zunehmend von der – nennen wir es mal “Gegenseite” – entdeckt und vereinnahmt; so haben einige Politiker versucht, auf den Zug aufzuspringen, teilweise mit fragwürdigen Resultaten und wenig Durchdringung. Social Media wird aber auch immer mehr zum Wirtschaftsfaktor, da tauchen Schlagzeilen auf wie “Web 2.0 trifft Unternehmenskultur 1.0”, es gibt zahlreiche sogenannte Social-Media-Agenturen, eine Social Media Akademie, in denen man “virales Marketing Know-how” erwerben kann; Social Media Marketing ist inzwischen ein stehender Begriff mit diversen Unterkategorien.

Ich war jahrelang als Unternehmensberater tätig; bei markigen, aber inhaltslosen Begriffen sowie bei bestimmten “revolutionären” neuen Konzepten bekomme ich heute noch ein Zucken diverser Gesichtsmuskeln. Ein Beispiel gefällig?

socialmedia2defaultPhilip Kotler, laut Wall Street Journal einer der sechs wichtigsten Wirtschaftstheoretiker, hat gerade ein neues Buch veröffentlicht.
Darin kann man unter anderem solche markanten Sätze finden:
›› In den vergangenen 60 Jahren hat sich Marketing vom Schwerpunkt auf dem Produkt (Marketing 1.0) zum Schwerpunkt auf dem Verbraucher (Marketing 2.0) hin entwickelt. Heute erleben wir, dass sich das Marketing erneut wandelt. Und die Richtung ist klar: Marketing 3.0 bedeutet, dass sich die Unternehmen nicht mehr auf den Verbraucher konzentrieren, sondern auf den Menschen. Marketing würde in Zukunft bedeuten, dass die unternehmerische Verantwortung zum „Gegenpol der Rentabilität“ wird ‹‹. . . und weiter: ›› Menschen werden nicht mehr nur als Verbraucher angesehen, sondern als „ganze Menschen“ mit „Human Spirit“, die wollen, dass die Welt eine bessere wird: „Sie wünschen sich von den Produkten und Dienstleistungen, die sie wählen, Erfüllung – nicht nur in funktioneller und emotionaler Sicht, sondern auch in seelischer. ‹‹

Da fehlen einem die Worte, wenn man das liest: Alter sophistischer Wein in neuen Schläuchen! Der Trend dieser Vereinnahmung durch die Wirtschaft ist “Verprofessionalisierung” – die Verbreitung von innovativen Ideen in der Massengesellschaft. Es ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, professionell zu arbeiten, aber es gibt eben einen Unterschied hierzu. Schauen wir uns ein anderes Beispiel in der Entwicklungsgeschichte des Internets an – eBay. In den Anfangsjahren war es eine Börse vorwiegend von Privat zu Privat, bei der man durchaus mal ein Schnäppchen und reelle Geschäfte machen konnte. Und Heute? – überfüllt von mehr oder weniger “professionellen Händlern”, Preisdumping einerseits und überhöhte Preise auf der anderen Seite, Billigware, Abzocke und teilweise auch Betrug etc.

socialmedia3defaultHier zeigt sich die Ambivalenz dieser Situation – einerseits ist Social Media auf den Ausbau von Netzgemeinschaften mit möglichst weiter Verbreitung ausgerichtet; andererseits kann die massenhafte Nutzung aber auch ins Gegenteil umschlagen, dann kann ein innovativer Ansatz wie hier die Herstellung und der Austausch von “User Generated Content” schnell vom mainstream vereinnahmt werden und in der Masse untergehen und an Bedeutung verlieren.

Es bleibt spannend – wohin entwickelt sich das Phänomen Social Media? Dazu fällt mir nur ein Songtitel ein, den ich gerade heute wieder zufällig im Radio gehört habe:
Bob Dylan – The answer, my friend, is blowing in the wind.

(Quelle Zitat: Philip Kotler, Die neue Dimension des Marketings.Campus Verlag 2010)

Nachtrag:

Ein wichtiger Aspekt wurde in o. a. Ausführungen nicht berücksichtigt – die Auswir-kungen der mobilen Plattformen auf das Social Marketing. eMarketer hat dazu eine interessante Studie ins Netz gestellt.

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