Brahms

Ein Gefühl von Glück [was meine These bestätigt, dass Glück kein dauerhaftes Gefühl ist, sein kann, sondern nur aus diesen winzigen Glücksmomenten besteht].

Heute ist Volkstrauertag, ich sitze hier und höre Brahms. Dabei gehen mir viele Gedanken durch den Kopf – wie üblich komme ich vom „Hundertsten ins Tausendste“.

Jesse Stone ist eine Krimiserie von und mit Tom Selleck; die Wiederholungen habe ich jetzt zum dritten oder vierten Mal gesehen. Jesse Stone ist Polizist und Alkoholiker – in einer der Folgen spricht ihn eine Frau an und fragt nach seinen Alkoholproblemen. Dann sagt sie »Brahms«. „Wie bitte?“ „Brahms – wenn es mir nicht gut geht, höre ich Brahms, dann geht es mir wieder gut.“

Ich stehe an der Wintergartentür zum Garten und rauche. Es ist ein frostiger Morgen, alles ist von starkem Rauhreif überzogen, der Burgberg liegt im Nebel. Ich schaue mich um; nur sechs Häuser in diesem ehemaligen Park, eingebettet in weitgehend naturbelassene Gärten – einfach nur schön!
Jetzt wohne ich schon über 8 Jahre hier und stelle zu meinem Erstaunen fest, wie gut es mir hier gefällt – ein Gefühl, als wäre ich hier eben erst eingezogen. Glücksmoment! Irre, oder?!

Und dann der Gedanke, diesen Glücksmoment irgendwie festhalten zu müssen – deshalb sitze ich hier und schreibe … und das alles wegen Brahms.

[ 09:56 Uhr – die CD „hat fertig“ ]

Nichts von Bedeutung

“Nichts bedeutet irgendetwas, das weiß ich seit Langem. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.” [inspiriert] von Pierre Anthon

Es bedarf immer mal wieder eines Anstoßes, um ein wenig in-sich-zu-gehen, sei es ein Bild, ein Wort, ein Gedanke, oder, wie in diesem Fall, ein Buch – Janne Teller “ NICHTS”. Janne Teller’s Parabel hat den Untertitel “Was im Leben wichtig ist”, also geradezu eine Aufforderung, über diese und andere fundamentale Fragen, die dieser Satz suggeriert, etwas vertiefter nachzudenken.

Auch die Ereignisse in der Geschichte haben einen Auslöser – er heißt Pierre Anthon und sitzt in einem Pflaumenbaum, aus dem heraus er seine 21 MitschülerInnen nicht nur mit Pflaumen, sondern auch mit schwer zu verdauenden, nihilistischen Sprüchen nach dem Motto “Alles ist egal!” wie z. B. über das Leben, das die Mühe nicht wert sei, über den Zufall und über die Bedeutungslosigkeit irgendwelchen Handelns überhaupt, bombardiert.
Bei seinen MitschülerInnen lösen Pierre’s Erkenntnisse sowohl ein gewisses Unbehagen als auch eine auf den ersten Blick unbestimmbare Angst aus, die sich in einem Gedankengang der Ich-Erzählerin Agnes so ausdrückt: “Mir kam die angelehnte Tür wie ein breit grinsendes Maul vor, das mich verschlingen würde, wenn ich mich dazu verlocken ließe, Pierre Anthon nach draußen zu folgen. […] Angst. Mehr Angst. Am meisten Angst.

Man fühlt den Sog des tiefen Mauls als Symbol für das Ungewisse über das, was einen erwarten könnte, wenn man sich auf die Thesen von P. A. einlassen würde. Ein Mensch wächst mit seiner Bedeutung, wird jemand, der wahrgenommen wird – dies äußert sich bei vielen Menschen, wenn man sie nach ihrem Berufswunsch fragt: man möchte ein bedeutender Künstler, Architekt etc. oder einfach nur “berühmt” werden; ohne Bedeutung ist man nach allgemein geltender Auffassung nicht ein “Jemand” sondern ein “Nichts”.

Weiterlesen „Nichts von Bedeutung“

Brexit Showdown . . .

Ohne Worte! . . . der Brexit beschäftigt uns jetzt bereits über Jahre, es ist eigentlich alles gesagt – Zeit, dieses Trauerspiel zu beenden. Folgerichtig hier mein Schlusswort!

Ich glaube, das positive Votum für den Brexit hat alle sprachlos gemacht – so richtig hat wohl keiner damit gerechnet, daß dies wirklich passieren könnte!

Und die Sprachlosigkeit hält bis heute an, als erster hat sich David Cameron aus der Veranwortung gestohlen. Seine Nachfolgerin Theresa May hat sich jahrelang mit einigen Lösungsansätzen abgemüht – ohne Erfolg; wohl auch, weil diese Bemühungen mehr dem masochistisch-sturen Anrennen gegen eine undurchdringliche Betonwand ähnelten.
Es wurde zwar viel miteinander und aneinander vorbei geredet, aber dies steht nicht im Widerspruch zu der anhaltenden Sprachlosigkeit, denn Sprache soll auch dazu führen, sich erfolgreich über einen Sachverhalt zu einigen. Eine einvernehmliche und für alle tragfähge Lösung war und ist jedoch bis heute unwahrscheinlich, wie die aktuellen Entwicklungen zeigen. Zur Ehrenrettung der Briten muss an dieser Stelle gesagt werden, daß die EU an dieser Situation auch nicht ganz unschuldig ist.

Und dann kam Boris Johnson . . .

» Der britische Premier Johnson will das Parlament in eine Zwangspause schicken. Er habe eine Schließung von Mitte September bis Mitte Oktober beantragt, gab er in London bekannt.
Zwangspause für die britischen Parlamentarier:
Was ist Johnsons Plan? «

Quelle: Reuters, dpa

» Gegner eines No-Deal-Brexits hätten damit kaum eine Chance, einen EU-Austritt Großbritanniens ohne Abkommen noch per Gesetz zu stoppen. Johnson wies Anschuldigungen zurück, er wolle damit das Parlament aushebeln. Das Parlament soll demnach von Mitte September bis zum 14. Oktober pausieren, wenn Königin Elizabeth II. formell das Programm von Johnsons Regierung vorstellen soll. Das wäre nur zwei Wochen vor dem geplanten britischen Austritt aus der Europäischen Union am 31. Oktober. […] «

Mehr dazu:
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/bericht-johnson-will-parlament-suspendieren-100.html

Dorfleben in Druckform

Wie kann eine Lokalzeitung über 30 Jahre lang überleben? Und wie sieht die Zukunft aus und welche Auswirkungen hat diese auf das Dorfleben? – vice versa

Ich habe zur Zeit die Gelegenheit an einem Projekt zur Erstellung der Website einer kleinen Lokalzeitung – OrtsGESPRÄCH – im Braunschweiger Raum mitzuarbeiten. Dabei bekommt man auch tiefere Einblicke in das Dorfleben an sich und was es heißt, bei der angespannten Situation im Printsektor, eine Ortszeitung zu betreiben.

OrtsGESPRÄCH wurde in Privatinitiative gegründet. Die Erstausgabe der Zeitschrift erschien im Oktober 1986. OrtsGESPRÄCH wurde von nun an monatlich – und wird bis heute – kostenlos an alle Haushalte in den Ortschaften Schapen und Weddel verteilt.

Das OrtsGESPRÄCH hat an mehreren Fronten gleichzeitig zu kämpfen. Da ist zum einen das Generationenproblem. Die ältere Generation meines Jahrgangs hat es noch genossen, morgens beim Frühstück in der Zeitung zu blättern und sich danach mit dem Nachbarn über den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Die jüngere Generation kann man damit „nicht mehr hinter’m Ofen hervorlocken“. Und ganz pragmatisch – wer wird noch Interesse daran haben, das OrtsGESPRÄCH fortzuführen, wenn die jetzigen Verantwortlichen einmal abtreten?
Nicht zuletzt deshalb wurde entschieden, der Druckausgabe eine Online-Version zur Seite zu stellen. Man muss sich aber im Klaren sein – dies ist keine allumfassende Lösung der Probleme, sondern ein Versuch, den Lauf der Dinge etwas abzubremsen.
Die digitale Welt ist flüchtig, eine Welt der „Klicks“ und „Klickbaits“. Die Verbreitung von OrtsGESPRÄCH wird zwar zunehmen, aber die Artikel werden nicht mehr gelesen, sondern konsumiert – sich über diese Informationen auszutauschen ist nicht mehr angesagt.

Zum Anderen kann der generelle Rückgang des allgemeinen und individuellen Interesses an Printmedien nicht geleugnet werden – zumal das OrtsGESPRÄCH durch finanzstarke regionale Zeitungen in den letzten Jahren zunehmend einem nicht unerheblichem Wettbewerb ausgesetzt ist.
Die Konkurrenz leidet inzwischen ebenfalls unter Auflagenschwund, qualitativem Personalmangel und rückläufigen Anzeigenerträgen. Mithin ist man mit einem Male auch an Vereinsnachrichten interessiert, die vor Jahren noch geflissentlich naserümpfend ignoriert wurden.

» Es ist leider zu befürchten, daß hier eine weitere Tradition den Lauf der Zeit langfristig nicht überleben wird – und damit wird ebenso ein Teil unserer Kultur verloren gehen, der unter anderem für die Vielfalt unserer Gesellschaft mit maßgebend war und ist. «

Also, liebe Freunde in Cremlingen, Weddel und im gesamten Braunschweiger Raum, geht mal ein bißchen in Euch – wie wichtig ist Euch diese Vielfalt und die Vitalität des Dorflebens in Eurer Region im Allgemeinen? Und was kann man tun, um diese Alltagskultur zu fördern? . . . eine Möglichkeit wäre, OrtsGESPRÄCH aktiv zu unterstützen, indem ihr die Zeitung – egal ob als Print oder Online – lest, darüber sprecht und dadurch mit dazu beitragt, den Bekanntsgrad zu erhöhen.

Ich bin wieder hier . . .

Es war das Jahr 2013, in dem ich meinen letzten Beitrag veröffentlich habe, danach war dann Schluss – oder, wie ein heutiges Schlagwort so treffend aussagt – „Ich war dann mal weg … „

Es hat sich viel getan in den vergangenen Jahren – Gutes und weniger Gutes, wie bei jedem Menschen; das [allein] kann nicht der Grund für meine Abwesenheit sein, aber lassen wir einfach die Sache mit der Ursachenforschung und widmen uns wieder der Gegenwart.
Meine Gegenwart fängt konsequenterweise jedoch wieder mit der Vergangenheit an, nämlich mit dem Jahr 1998; ich lasse einen meiner Lieblings-Musiker über meine Gegenwart für mich sprechen, der wie ich auch schon bessere Zeiten erlebt hat – Westernhagen!

Ich bin wieder hier
in meinem Revier
war nie wirklich weg
hab mich nur versteckt
ich rieche den Dreck
ich atme tief ein
und dann bin ich mir sicher
wieder zu hause zu sein

Radio Maria - Westernhagen
„Wieder hier“ aus dem Album Radio Maria (1998)

Am 25.02.2019 habe ich in der ARD in einem Tatort aus Wien einen Spruch gehört, den ich quasi als Motto dem, was hier zukünftig passieren soll, voranstellen möchte:

„Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, ist blind für die Gegenwart“.

Ich habe in den zurückliegenden Jahren nach wie vor morgens meine Nachrichten gelesen und mein Archiv konsequent weiter gepflegt – das kommt mir heute zu Gute. Es gab Einiges, über das ich mich gefreut habe, noch mehr, über das ich mich aufgeregt habe. Ich möchte mich nicht mehr nur in meinem Gedankenkarussell drehen, ich brauche Klarheit – und das geht nur, indem ich meine Gedanken auch ausformuliere!

Gemäß dieser Erkenntnis und in Bezug auf mein o. a. Motto habe ich mir fest vorgenommen, hier wieder regelmäßig Beiträge zu posten, anfangs als Zielsetzung mindestens drei Beiträge pro Monat, also . . .

. . . see you soon! 👍🏻

Zivilisation

Eine Burleske [derb-komisches, possenhaftes Spiel kleineren Umfangs] aus der Welt der »OnlineWesen« mit nicht ganz unERNSTem Hintergrund. Ähnlichkeiten mit verstorbenen oder noch lebenden Personen mögen bestehen, ist aber nicht von Wichtigkeit, da universal zu verstehen.

Schauplatz – die Agora in Athen. Die altehrwürdigen Bewohner und andere, die sich normalerweise dem agorazein hingeben, meiden diesen Platz – Online-Wesen haben den Platz okkupiert, Andersdenkende sind nicht so gern gesehen. Im inneren Halbkreis sitzen 5 Personen, sowie eine weitere Person etwas zurückgezogen am Tor zur Wandelhalle; aus Vereinfachungsgründen für den Fortgang des Geschehens nennen wir ihn einfach nur »P.«

Zivilisation-Privatheit-Freiheit

P. schaut auf ein Bild in seiner Hand, oder genauer, in die Augen der Person auf diesem Bild; er ist tief in Gedanken versunken. Das Bild zeigt eine jüngere Frau, der Frisur nach zu urteilen, ca. aus den 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Plötzlich beginnt die Frau zu lächeln, nur ganz leicht, kaum wahrnehmbar und spricht ihn an, der Blick, der Ausdruck in ihren Augen verändert sich dabei nicht: “Was sitzt Du hier und grübelst vor Dich hin? Was beschäftigt Dich? Findest Du mal wieder keine Antworten? Komm, ich gebe Dir einen konkreten Satz zum Nachdenken.”

» Zivilisation ist der Fortschritt hin zu einer Gesellschaft der Privatheit.
Die ganze Existenz des Wilden ist öffentlich, beherrscht von den Gesetzen seines Stammes.
Zivilisation ist der Prozess der Befreiung des Menschen vom Menschen. «

Zivilisation und Kultur – Begriffe in der Kulturphilosophie, genau das, was ihn z. Zt. beschäftigte. Noch bevor P. das Gehörte vollständig einordnen kann, beginnt es auf dem Platz vor ihm zu rumoren. Die Person »GanzLinks« räuspert sich und ruft ihm dann zu: “die Philosophie des Individualismus und des Cocooning (Biedermeier reloaded)” Na ja, nicht gerade hilfreich, aber als Eröffnung akzeptabel …
P. schaut in die Runde; eigentlich hatte er den ersten Kommentar von Belzebub erwartet, der genau in der Mitte zwischen den Anwesenden sitzt. Prompt erhebt sich dieser, schaut in die Runde, um sich seines Publikums gewiss zu sein und speit P. einen inhaltsschweren Satz vor die Füße, der die ehrwürdigen Säulen der Wandelhalle zum erzittern bringt: “Ayn Rand zu zitieren – dazu gehören schon Denkungsweisen, die ich hier nicht näher qualifizieren möchte!”

Alles lacht. P. schaut kurz auf – er war etwas abgelenkt, da er gerade dabei war, eine Antwort für GanzLinks zu formulieren; sein Gesicht drückt Verblüffung und Fassungslosigkeit aus. Nach kurzem Zögern steht er auf und geht auf die Gruppe zu, übergibt GanzLinks einen Zettel, dreht sich um und begibt sich wieder auf seinen Platz. GanzLinks hat sich zwischenzeitlich erhoben und steht in der Haltung eines Dozenten und liest laut den Zettel von P. vor: “Privatheit ist für mich persönlich sehr wichtig und prägt meine Art, wie ich mit den Menschen umgehe – was aber keinesfalls heißt, daß ich mich von den Menschen zurückziehe!”

Alles lacht. P. sitzt gebeugt da und notiert etwas auf einem weiteren Zettel. Nach kurzem Zögern steht er auf und geht auf die Gruppe zu, übergibt Belzebub einen Zettel, dreht sich um und begibt sich wieder auf seinen Platz. Belzebub steht jetzt frontal zu der Gruppe, den Zettel weit von sich gestreckt und liest, nein – deklamiert im Stile eines Volkstribuns: “Ich kann mich erinnern, daß wir dieses Thema schon einmal hatten … nochmals … ich sehe zuerst immer den Satz als solchen, unabhängig von der Person, die ihn geäußert hat; danach versuche ich erst, mehr über die Person zu erfahren, um den Satz besser einordnen zu können.
… Ayn Rand ist sicherlich kein „Monster“ – ihr sog. „Objektivismus“ wird vielleicht durchgängig kritisiert, aber es gibt auch Befürworter, die ihren tugendethischen Ideen durchaus etwas abgewinnen können.”
Dann dreht er sich um, fixiert P. durchdringend und ruft ihm zu: “Willkommen auf der Tea Party”

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Jack Terry`s Fazit

Über Jakub Szabmacher, einen Holocaust-Überlebenden, der sich anläßlich des 65. Jahrestages der Befreiung des KZ’s Flossenbürg an seine “zwei” Leben erinnert – und über das Unbegreifliche.

Erst vor einigen Tagen habe ich mir Gedanken gemacht über die Erinnerung, das Lernen und die Verbindung von Wissen und Begreifen – heute haben diese Begriffe eine für mich ganz andere, vehementere Bedeutung bekommen. Ausgelöst hat diese Gedankenflut eine auf »zdf.neo gesendete Dokumentation über den 1930 in Polen geborenen Juden Jakub Szabmacher, der nach seiner Befreiung aus dem KZ von einer amerikanischen Familie adoptiert wird, seinen Namen ändert – und sein zweites Leben beginnt.

“Eine Identität und dennoch zwei Leben. Aber niemand kann meine ersten 9 Jahre mit meiner Familie auslöschen, das ist mein Leben, das bin ich.”

© Bild http://www.schoah.org/

Natürlich gehörten der Nationalsozialismus und der II. Weltkrieg zum Lehrstoff in meiner Schulzeit – inwieweit uns dies damals aber in der ganzen Tiefe und mit dem Anspruch auf korrekte und ungeschminkte Hintergrundinformationen vermittelt wurde, kann ich heute aus meiner Erinnerung heraus nicht mehr mit Gewissheit sagen und ist wohl eher zu bezweifeln – immerhin lag des Ende des Krieges noch nicht so lange zurück. Ich und wohl auch die meisten meiner Mitschüler haben dies wahrscheinlich nur als eine zeitgeschichtliche Periode zwischen anderen Ereignissen gesehen, die wir zu lernen hatten. Zusätzliches “Wissen” haben wir uns über einschlägige Spielfilme und Romane angeeignet, die damals geradezu “inflationistisch” in die Kinos und die Buchhandlungen kamen; das war irgendwie fesselnd und spannend, ohne jedoch eine tiefere Betroffenheit auszulösen. Dies änderte sich erst, nachdem ich den Film “Nackt unter Wölfen” des damaligen DDR-Fernsehens gesehen hatte. Ich erinnere mich genau; während bei den meisten Filmen zuvor nach Filmende wenig Nachhaltiges zurückblieb, ging mir dieser Film nicht mehr aus dem Kopf. Ich war danach sehr ruhig, wollte nicht wie sonst über die wichtigsten Szenen sprechen – obwohl ich die “Fakten” in der Schule gelernt hatte, konnte ich zum ersten Mal nicht begreifen, was ich gesehen hatte, was da passiert war und wie das passieren konnte!
In den Jahren danach – und es hat Jahre gedauert – habe ich immer wieder eine Antwort auf diese Frage gesucht, auch angeregt und unterstützt durch die immer offener werdende Diskussion in der Öffentlichkeit, in den Medien und in der Literatur. Ich habe die Dimension dieser Verbrechen begriffen, den Flächenbrand, der von Deutschland ausging und daß auch noch danach im 20. Jahrhundert Völkermorde und Verbrechen gegen die Menschlichkeit passierten und auch heute noch passieren – aber eins habe ich immer noch nicht begriffen: wie war das möglich, damals, und wieso kann sowas auch heute immer noch geschehen? Ich habe viele kleine Bausteine gefunden, aber noch nicht die Antwort auf diese Frage!

Einen weiteren Baustein, der wegen seiner ernüchternden Konsequenz betroffen machen muss, haben mir die Schilderungen und Gedankengänge von Jack Terry geliefert.

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